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Im Gespräch mit Nadja Schleif, Projektmanagerin & Sales Betriebliche Gesundheitsförderung bei der CTK GmbH  
16.04.2026

Warum Gesundheitsförderung mehr ist als Arbeitsschutz – und wie Unternehmen eine nachhaltige Gesundheitskultur aufbauen

ESV-Redaktion Betriebssicherheit
BGF ist freiwillig und bietet die Chance, den Arbeitsschutz in ein ganzheitliches BGM zu integrieren. (Foto: Nadja Schleif)
Gesunde Mitarbeitende sind das Fundament erfolgreicher Unternehmen. Doch wie lässt sich Gesundheit systematisch fördern? Wir sprachen mit Nadja Schleif über analoge und digitale Prävention, Arbeitsschutz und den Stellenwert einer gesunden Unternehmenskultur.

Frau Schleif, was genau macht CTK?

CTK ist ein Anbieter einer eigenen BGF-Infrastruktur. Unser besonderer Fokus liegt darauf, regionale und inhabergeführte Gesundheitsstudios und Physiopraxen zu befähigen, BGF-Angebote professionell in Unternehmen zu implementieren. Zu diesem Zweck stellen wir eine eigene BGF-Lösung bereit, die zertifizierte digitale Gesundheitskurse sowie strukturierte Tools und Konzepte umfasst. Wir ermöglichen Gesundheitsanbietern, Firmenkunden zu gewinnen und diese langfristig zu betreuen – digital und analog, kombiniert mit rechtssicheren Prozessen nach § 3 Nr. 34 EStG – und unabhängig von der Logik klassischer Sachbezugs- oder Gutscheinmodelle (§ 8 EStG).

Unsere Partner vor Ort – also Studios und Praxen – können damit sowohl digitale Leistungen als auch analoge Angebote wie Screenings, Gesundheitstage, Rückentrainings oder Firmenmitgliedschaften bereitstellen. So entsteht ein hybrides System, das die Vorteile beider Welten verbindet.

Sie bieten digitale Präventionskurse an. Sind das eigene Angebote?

Ja, es handelt sich um vollständig eigene CTK-Kurse, die wir entwickelt und von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifizieren lassen haben (nach § 20 SGB V). Gerade im betrieblichen Kontext zeigt sich, wie hilfreich solche digitalen Formate ein können: Se sind zeit- und ortsunabhängig nutzbar und können dadurch von Mitarbeitenden flexibel in ihren Alltag integriert werden – unabhängig von Schichtzeiten oder Arbeitsort. Bei sensiblen Themen wie Suchtprävention (insbesondere Rauchentwöhnung) hilft die digitale Distanz, Hemmschwellen zu reduzieren, und führt zu höheren Teilnahmequoten.

Sie haben ein eigenes BGF-Tool entwickelt. Was genau leistet dieses System?

Das System reduziert Komplexität. Unser BGF-Tool ermöglicht es Studios, für jedes kooperierende Unternehmen schnell und einfach eine individuelle BGF-Landingpage zu erstellen – inklusive Kursbuchungssystem. Das Stichwort ist hier Employer Branding: Unternehmen können ihren Beschäftigten ein modernes, professionelles Gesundheitsportal bereitstellen.

Darüber hinaus bildet das Tool den gesamten Prozess ab:
  • Mitarbeitende buchen Kurse direkt über die Landingpage.
  • Unternehmen erhalten Zugriff auf ein BGF-Managementsystem.
  • Sicherheitsmechanismen stellen sicher, dass nur berechtigte Mitarbeitende auf das Angebot zugreifen können.
  • HR-Verantwortliche erhalten die notwendigen Dokumente (Teilnahmebescheinigungen zur Steuerdokumentation.
Unsere zertifizierten Gesundheitsprogramme werden im Rahmen von Betrieblicher Gesundheitsförderung eingesetzt und können dadurch nach § 3 Nr. 34 EStG steuerfrei umgesetzt werden.

Viele Unternehmen sehen Arbeitsschutz als Pflichtaufgabe. Welche Rolle spielt BGF in diesem Kontext?

In meinen früheren Tätigkeiten, unter anderem im Bereich Mitarbeiterbefragungen, konnte ich Einblicke in viele Branchen gewinnen. Der gesetzliche Arbeitsschutz wird häufig als Pflicht wahrgenommen: Er ist notwendig, aber nicht unbedingt motivierend. BGF ist dagegen freiwillig und bietet die Chance, den Arbeitsschutz in ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu integrieren.

Der Arbeitsschutz liefert eine hervorragende Ist-Analyse: ergonomische Belastungen, Lärm, Hitze, Arbeitsabläufe – aber auch psychische Faktoren, etwa im Rahmen der psychischen Gefährdungsbeurteilung. BGF kann darauf aufbauen und Potenziale stärken: Prävention, Coaching, Workshops, Gesundheitskommunikation.

Oft wird unterschätzt, welchen psychologischen Effekt allein die Kommunikation solcher Maßnahmen hat: Partizipation, Wertschätzung und das Gefühl, dass Mitarbeitende gehört werden. Selbst wer keinen Kurs bucht, profitiert von diesem Kulturwandel.

Wie schafft man es, dass Mitarbeitende solche Angebote auch wirklich nutzen?

Der entscheidende Faktor ist eine Top-down-Kommunikation. Wenn die Geschäftsführung hinter dem Thema steht und es aktiv kommuniziert, steigt die Teilnahme deutlich. Führungskräfte müssen als Vorbilder agieren. Zudem ist Information ein Schlüssel: In großen Unternehmen ist die interne Kommunikation oft schwierig. Deshalb empfehlen wir klare Prozesse, regelmäßige Hinweise und ein strukturiertes Vorgehen über alle Führungsebenen hinweg.
Ein weiterer Aspekt ist der strategische Blick: Deutschland steht durch Demografie und Fachkräftemangel vor enormen Herausforderungen. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden langfristig gesund halten, sichern damit ihr wirtschaftliches Überleben.

Ihr Angebot ist digital. Wie niedrigschwellig ist es für weniger technikaffine oder ältere Beschäftigte?

Unsere Kurse werden über eine Website gebucht und durch klassische Printmaterialien wie Plakate oder Flyer mit QR-Codes ergänzt. Mitarbeitende ohne PC-Arbeitsplatz oder Smartphone können sich bei den Partnerstudios vor Ort beim Buchungsvorgang unterstützen lassen – teilweise direkt im Studio.
Interessant ist: Unsere Nutzerdaten zeigen, dass die digitale Prävention überraschend stark von älteren Zielgruppen genutzt wird. Wir waren selbst erstaunt, wie hoch der Altersdurchschnitt ist.

Nach welchen Kriterien wählen Unternehmen die Kurse aus, die sie anbieten?

Grundsätzlich stellen wir alle acht zertifizierten Gesundheitskurse zur Verfügung. Diese decken die Bereiche Bewegung, Ernährung, Entspannung und Suchtprävention ab. So können Unternehmen alle Zielgruppen erreichen und ggf. interne Kampagnen starten, etwa zu den Themen Ernährung an Bürostandorten oder Stressprävention. Für kleinere und mittelständische Firmen ist die einfache Landingpage oft ein idealer Einstieg ins Thema BGF.
Weitere Details zu den einzelnen Kursen finden sich auf der CTK-Website.

Wie laufen die Kurse ab? Gibt es externe Referenten?

Die Kurse sind komplett digital aufgebaut. Es gibt Videos, Texte und E-Learning-Inhalte. Jede Woche wird eine neue Einheit freigeschaltet, insgesamt sind es acht pro Kurs. Die Teilnehmenden bearbeiten sie unabhängig von Ort und Zeit.

Der analoge Teil findet über die kooperierenden Studios oder Praxen statt. Dazu gehören Gesundheitschecks, Workshops, Rückentraining, therapeutische Unterstützung oder spezielle Firmen-Mitgliedschaften. So entsteht ein hybrides Gesundheitsangebot.

Können Sie sagen, welche Kurse am beliebtesten sind?

Wir können Nutzungszahlen natürlich erfassen. Aktuelle Auswertungen zeigen deutlich, dass die Kurse aus dem Bereich Bewegung sich großer Beliebtheit erfreuen.

Welche Rolle spielt Regionalität in Ihrem Modell?

Eine große. Wir kooperieren bewusst mit lokalen, inhabergeführten Studios und Physiopraxen. Für Unternehmen bedeutet das: Sie investieren nicht in große überregionale Plattformen, sondern stärken die lokale Wirtschaft. Das ist für viele Regionen ein wichtiger Aspekt. Digitale Sportflatrates, wie sie etwa Urban Sports Club anbietet, sind eher Incentives, aber sie ersetzen keine strukturierte BGF – weder konzeptionell noch steuerlich. Wir bieten mit unseren BGF-Studios eine deutschlandweite Gesundheitsstrategie. Einen Überblick über unsere BGF-Studios bietet unser Studio-Finder unter www.bgf.works.

Frau Schleif, vielen Dank für das Gespräch!

Über Nadja Schleif
Nach ihrem Studium der Medien- und Wirtschaftspsychologie in Berlin stieg sie direkt in das Betriebliche Gesundheitsmanagement ein. In einer spezialisierten Unternehmensberatung betreute sie als offizielle Partnerin der AOK Nordost Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Anschließend sammelte sie innerbetriebliche Erfahrung in der Unternehmensentwicklung, bevor sie nach ihrer Elternzeit zu CTK wechselte. Dort verantwortet sie heute die Weiterentwicklung des digitalen BGF-Tools und fungiert als zentrale Ansprechpartnerin für den Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung.

Über CTK GmbH
Die CTK GmbH – Coaching, Training, Konzepte – ist auf digitale Gesundheitskonzepte spezialisiert und bietet bundesweit ein eigenes BGF-Tool an. Damit unterstützt das Unternehmen sowohl Firmen als auch Partnerstudios und Physiotherapien bei der Umsetzung nachhaltiger betrieblicher Gesundheitsförderung. Die CTK GmbH befähigt ihre Partner, professionelle Präventionsangebote direkt in Unternehmen zu integrieren und so die Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden zu stärken.
Weitere Informationen unter www.bgf.works bzw. www.ctk.works

Das Interview erschien zuerst in unserer Fachzeitschrift:


Betriebliche Prävention

Redaktionsbeirat: Dr. Michael Au, Prof. Dr. Gudrun Faller, Prof. Dr.-Ing. Anke Kahl
Redaktion: Florian Gräfe

Programmbereich: Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz in sich verändernden Berufswelten gestalten – die Betriebliche Prävention zeigt Ihnen, wie es geht: Angesehene Spezialisten berichten jeden Monat neu zu fachlichen und rechtlichen Entwicklungen aus Prävention, Organisation und Unfallversicherung. Erfahren Sie das Wichtigste zu den Aktivitäten maßgeblicher Institutionen, zu Veranstaltungen, Literatur und allen weiteren Ereignissen, die Ihr Berufsfeld so vielseitig machen.

Betriebliche Prävention und Organisation

Die „Betriebliche Prävention“ beleuchtet aus unterschiedlichen Branchen und Perspektiven u. a., wie Sie

  • Gefährdungen aller Arbeitsabläufe zuverlässig beurteilen, kommunizieren und dokumentieren,
  • Ergonomie von Arbeitsplätzen, -mitteln und -umgebungen organisieren, um Unfällen und Berufskrankheiten vorzubeugen,
  • Maßnahmen geeigneter Gesundheitsförderung von Mitarbeitern alters- und alternsgerecht entwickeln,
  • Mitarbeiter wiedereingliedern, die länger erkrankt waren u. v. m.

Unfallversicherung und Recht

  • Rechtliche Entwicklungen, von neuen Regelungen und Initiativen zu relevanter Rechtsprechung,
  • Versicherungs- und Haftungsfragen bei Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen.

Testen Sie die Betriebliche Prävention doch einmal kostenlos und unverbindlich!


Wettbewerb rund um Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 13.04.2026
Bewerbungsstart für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2027
Am 1. April 2026 startete die Bewerbungsphase für den Deutschen Arbeitsschutzpreis (DASP) 2027. Die Auszeichnung wird in vier Kategorien vergeben. Prämiert werden vorbildliche strategische, betriebliche, kulturelle und persönliche Lösungen rund um Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. mehr …
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