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Extremwetter  
01.10.2026

„Ein Hitzetag kostet Deutschland 431 Millionen Euro“

ESV-Redaktion HSE und Betriebssicherheit/DGUV
Allein im Jahr 2023 gingen in Deutschland schätzungsweise 37 Millionen Arbeitsstunden hitzebedingt verloren. (Foto: Felix-Mittermeier/Pixabay)
Ein einzelner Tag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad verursacht in Deutschland volkswirtschaftliche Kosten von rund 431 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. Für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass die Folgen des Klimawandels längst auch die Arbeitswelt und den Arbeitsschutz betreffen.

DGUV-Hauptgeschäftsführer Stephan Fasshauer betont, dass hohe Temperaturen die Produktivität, Konzentration und Reaktionsfähigkeit von Beschäftigten beeinträchtigen. Gleichzeitig steige das Unfallrisiko. Die Auswirkungen des Klimawandels seien deshalb nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung.

Nach Angaben der DGUV gehören Prävention und die Anpassung an neue Risiken zu den zentralen Aufgaben der gesetzlichen Unfallversicherung. Dabei gehe es nicht um Klimapolitik, sondern um den Schutz von Sicherheit und Gesundheit in einer sich verändernden Arbeitswelt. Zu den relevanten Gefahren zählen neben Hitze auch Starkregen und Hochwasser, Vegetationsbrände, neue Allergene sowie zusätzliche Infektionsrisiken.

Besonders betroffen sind Beschäftigte, die im Freien oder unter körperlich belastenden Bedingungen arbeiten. Dachdecker, Pflegekräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Einsatzkräfte der Feuerwehren seien den Folgen extremer Temperaturen in besonderem Maße ausgesetzt. Nach DGUV-Daten steigt die Zahl der Arbeitsunfälle bei Temperaturen ab 30 Grad um etwa acht Prozent gegenüber Tagen mit 10 bis 15 Grad. Im Straßenverkehr liegt der Anstieg bei Wegeunfällen sogar bei rund 17 Prozent.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Allein im Jahr 2023 gingen in Deutschland schätzungsweise 37 Millionen Arbeitsstunden hitzebedingt verloren. Präventionsmaßnahmen könnten dazu beitragen, Ausfälle zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Fasshauer sieht darin auch einen wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

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Prävention statt neuer Bürokratie

Viele Unternehmen haben klimabedingte Risiken inzwischen erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Allerdings unterscheiden sich die
Möglichkeiten je nach Betriebsgröße und Branche. Während große Industrieunternehmen häufig umfassende technische Lösungen umsetzen können, benötigen kleinere Betriebe praktikable und wirtschaftlich tragfähige Ansätze. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen unterstützen dabei mit branchenspezifischen Empfehlungen.

Nach Einschätzung der DGUV müssen nicht zwangsläufig umfangreiche neue Schutzsysteme geschaffen werden. Oft seien bereits vergleichsweise einfache Maßnahmen wirksam, etwa Verschattung, nächtliche Kühlung von Gebäuden, die Verlagerung körperlich anstrengender Arbeiten in kühlere Tageszeiten oder zusätzliche Erholungspausen. Ziel sei es, bestehende Instrumente des Arbeitsschutzes an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen.

Eine besondere Herausforderung stellen Vegetationsbrände dar. Im Jahr 2025 brannten in Deutschland 2.626 Hektar Wald und damit mehr als dreimal so viel wie im langjährigen Durchschnitt. Feuerwehrleute sind dabei hohen Temperaturen, schwerer körperlicher Belastung und gesundheitsschädlichen Rauchgasen ausgesetzt. Die Forschungsinstitute der DGUV untersuchen deshalb die Belastungen und Gefährdungen der Einsatzkräfte, um daraus konkrete Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Weitere Risiken geraten in den Fokus

Neben Hitze rücken auch weitere klimabedingte Gesundheitsrisiken in den Fokus. Längere Vegetationsperioden verlängern den Pollenflug, während Zecken und Mücken neue Krankheitserreger verbreiten können. Hinzu kommen Gefahren durch Hochwasser, kontaminierten Schlamm, biologische Arbeitsstoffe oder Stromschäden. Auch psychische Belastungen nehmen zu, da hohe Temperaturen Schlaf, Konzentration und Wohlbefinden beeinträchtigen können.

Von Erfahrungen anderer Weltregionen will die DGUV künftig stärker profitieren. In zahlreichen Ländern Asiens und Afrikas gehören extreme klimatische Bedingungen bereits seit Langem zum Alltag. Internationale Kooperationen sollen helfen, bewährte technische und organisatorische Schutzmaßnahmen auf deutsche Verhältnisse zu übertragen.

Klimarisiken sollen selbstverständlich mitgedacht werden

Deutschland verfüge zwar über leistungsfähige Strukturen und umfangreiches Fachwissen, doch dieses müsse schneller in die betriebliche Praxis gelangen, betont Fasshauer. Bereits 2022 sahen 62 Prozent der Befragten einer DGUV-Beschäftigtenstudie Handlungsbedarf beim Umgang mit Hitze in Innenräumen. Knapp die Hälfte erkannte Risiken bei Tätigkeiten im Freien, mehr als 40 Prozent nannten psychische Belastungen und Extremwetterereignisse.

Für die Zukunft setzt die gesetzliche Unfallversicherung darauf, klimabedingte Risiken selbstverständlich in die betriebliche Prävention zu integrieren. Ziel sei es, Gefahren frühzeitig zu erkennen, wissenschaftlich zu untersuchen und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Damit sollen Beschäftigte geschützt und zugleich die Leistungsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft gesichert werden.

Quelle: Pressemitteilung DGUV

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Klimaschutzrecht

Herausgegeben von: Prof. Dr. jur. Walter Frenz
Bearbeitet von: Dr. jur. Stefan Altenschmidt, Prof. Dr. Stefan Böschen, Mirjam Büsch

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„ … eignet sich daher nicht nur hervorragend für die praktische Arbeit mit einzelnen Bestimmungen aus dem EU-KG, dem Bundes-KSG oder dem BEHG, sondern gibt auch einen umfassenden Einblick in die aktuellen rechtlichen und rechtspolitischen Fragen des Klimaschutzes.“ RAin Dr. Maria Marquard zur Vorauflage in: Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht (NVwZ), 09/2023


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