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DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026  
04.06.2026

Arbeitsplatz Straßenverkehr: Hochrisikobereich mit großem Unfallpotenzial

ESV-Redaktion Betriebssicherheit/DEKRA
Müdigkeit, Stress und Ablenkung sorgen oft für Gefahr. (Foto: Pixabay)
Der öffentliche Straßenraum ist nicht nur Verkehrsfläche, Aufenthalts- und Lebensraum, sondern für Millionen Menschen auch der Arbeitsplatz. Ein Arbeitsplatz, der jährlich viele Unfallopfer fordert.

„Es gilt unbedingt, genauer hinzuschauen, die Ursachen zu analysieren und herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sich Unfälle vermeiden oder zumindest in ihren Folgen mindern lassen“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH, bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ in Berlin. Der mittlerweile 19. DEKRA Verkehrssicherheitsreport beleuchtet die verschiedenen Problemfelder rund um dieses Thema aus Sicht der Unfallanalytik, der Verkehrspsychologie, der Fahrzeugtechnik, der Infrastrukturgestaltung sowie der Gesetzgebung und zeigt nachhaltige Optimierungsmaßnahmen auf.

Berufskraftfahrerinnen und -fahrer transportieren wichtige Waren fürs tägliche Leben oder die Industrie und legen mit ihren Fahrzeugen pro Jahr teilweise über 100.000 Kilometer zurück. Auf unzähligen Baustellen kümmern sich Menschen um die Instandsetzung oder den Ausbau der Straßeninfrastruktur. Beschäftigte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten bewegen sich auf ihren Einsatzfahrten in einem Umfeld, das jederzeit unvorhersehbare Situationen bereithält. Allein diese drei Beispiele zeigen die große Bandbreite und die damit verbundenen Herausforderungen rund um den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“, an dem jährlich viele Menschen bei Verkehrsunfällen schwere oder tödliche Verletzungen erleiden.

Mitursächlich sind eine Vielzahl schwer kalkulierbarer Einflüsse. „Ungünstige Witterungsbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen, technische Störungen oder das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender können jederzeit unvorhersehbare kritische Situationen zur Folge haben“, so Fehlauer. Zudem können Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten, monotone Fahrsituationen, fehlende Erholungsphasen und hohe Leistungsanforderungen zu Stress und Ermüdung führen. Müdigkeit gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren im Straßenverkehr, da sie die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit erheblich beeinträchtigt. Studien zufolge steigt das Risiko für einen Unfall aufgrund von Schlafmangel um das Achtfache an. „Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie gezielte Gesundheitsförderung können Übermüdung, Stress und Fehlbeanspruchung reduzieren und damit die Unfallgefahr senken“, führte der DEKRA-Geschäftsführer weiter aus.

Begrenzte „Sichtbarkeit“ des tatsächlichen Risikos

Ein weiterer Risikofaktor am „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ ist die hohe Komplexität moderner Verkehrssysteme. Digitalisierung und Vernetzung verändern die Arbeitsprozesse grundlegend. Navigationssysteme, digitale Auftragssteuerung und automatisierte Fahrfunktionen erleichtern zwar viele Aufgaben, führen jedoch auch zu neuen Anforderungen. Beschäftigte müssen gleichzeitig mehrere Informationsquellen verarbeiten und Entscheidungen treffen, während sie ihre Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten. Ablenkung durch technische Geräte gehört zu den großen Herausforderungen moderner Verkehrssicherheit.

Ein grundlegendes Problem im Umgang mit dem Arbeitsplatz Straße ist die begrenzte „Sichtbarkeit“ des tatsächlichen Risikos. Denn in vielen statistischen Systemen wird nicht ausreichend unterschieden, ob eine Fahrt aus privaten oder beruflichen Gründen erfolgt. „Dadurch bleibt ein Teil des Unfallgeschehens unzureichend dokumentiert, was die Entwicklung einer gezielten Prävention erheblich erschwert“, gab Jann Fehlauer in Berlin zu bedenken. Nur wenn das tatsächliche Ausmaß der Risiken sichtbar werde, könnte man langfristig wirksame Maßnahmen entwickeln.

Aufschlussreiche Fahrversuche und Umfrage unter Fahrpersonal

Auch für diesen Verkehrssicherheitsreport hat DEKRA wieder umfangreiche Fahrversuche und Crashtests durchgeführt, um herauszufinden, wie Fahrzeuge, Assistenzsysteme und Sicherungseinrichtungen tatsächlich reagieren, wenn es darauf ankommt. Ein Crash-Vergleich zur Absicherung von Arbeitsstellen im Straßenverkehr mit und ohne energieabsorbierende Systeme sowie Tests zur Detektions- und Reaktionsfähigkeit moderner Notbremsassistenzsysteme gegenüber mobilen Absperrtafeln liefern Erkenntnisse für technische Anforderungen und Sicherheitsstandards. 
Weitere Tests stellten die hohe Wirksamkeit C‑ITS‑basierter Nahbereichswarnungen unter Beweis. Die Abkürzung C-ITS steht für „Cooperative Intelligent Transport System“ und bezeichnet kooperative Technologien zur drahtlosen verkehrsträgerübergreifenden Kommunikation von Fahrzeugen untereinander, mit der Infrastruktur sowie nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmenden.

Interessante Ergebnisse brachte zudem die DEKRA Umfrage unter Berufskraftfahrerinnen und -fahrern zur Parkplatzsituation und zur Sicherheitslage auf Raststätten in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Demnach müssen fast zwei Drittel der Befragten regelmäßig an gefährlichen Orten parken, um die Ruhezeiten einzuhalten. Mehr als die Hälfte legt auf der Suche nach einem Parkplatz regelmäßig mehr als 20 zusätzliche Kilometer zurück. „Sowohl das gefährliche Parken als auch die verlängerten Lenkzeiten wegen der Parkplatzsuche können das Unfallrisiko erheblich erhöhen“, so Fehlauer.

„Räume für alle sicher machen“

Für den DEKRA Automobil-Geschäftsführer ist klar, dass der „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ als Hochrisikobereich nicht isoliert betrachtet werden kann. Vielmehr handle es sich um ein Zusammenspiel aus Infrastruktur, Technik, Organisation und persönlichem Verhalten im Straßenverkehr. „Die reine Fokussierung auf technische Lösungen reicht nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen oder menschliche Faktoren unberücksichtigt bleiben“, mahnte Fehlauer in Berlin an. Aus seiner Sicht ist die umfassende Betrachtung des Straßenverkehrs als Arbeitsplatz nicht nur für den Arbeitsschutz von Bedeutung, sondern insbesondere auch für die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft insgesamt.

Nach Ansicht von Kristian Schmidt, Europäischer Koordinator für Straßenverkehrssicherheit, verringern Investitionen in sichere und geschützte Parkplätze, klarere Straßenschilder und -markierungen oder besser gestaltete Arbeitsbereiche systematisch die Gefahren, denen sich Fahrer und Beschäftigte täglich gegenübersehen. „Da sich immer mehr Verkehrsteilnehmer den Straßenraum mit besonders gefährdeten Gruppen teilen, werden bewährte Qualitätsstandards entwickelt, um diese Räume für alle sicher zu machen“, schreibt Schmidt in seinem Statement im DEKRA Verkehrssicherheitsreport.

Für den deutschen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sind „Rücksicht, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein das Fundament für sicheres, respektvolles Verhalten im Straßenverkehr“, wie er in seinem Grußwort im Report betont. Dafür sensibilisiere das Bundesverkehrsministerium unter anderem im Rahmen der Initiativen „Runter vom Gas“ und „#mehr Achtung“. In diesem Kontext werde auch auf die besonderen Gefahren des Arbeitsplatzes Straße aufmerksam gemacht.

Für Antonio Avenoso, Geschäftsführer des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC), ist die Verkehrssicherheit am Arbeitsplatz kein Nischenthema. Vielmehr sei sie für das europäische Ziel der „Vision Zero“, bis 2050 die Zahl der Todesopfer und Schwerverletzten im Straßenverkehr auf nahe null zu senken, von zentraler Bedeutung. „Die Anerkennung der Verkehrssicherheit bei der Arbeit als gemeinsame Verantwortung von Behörden, Arbeitgebern und Einzelpersonen ist für den Aufbau einer Präventionskultur sowohl auf als auch außerhalb der Straße entscheidend“, erklärt Avenoso in seinem Statement.

Zehn Forderungen der DEKRA für mehr Verkehrssicherheit:
  • Konsequenter Schutz von Arbeitsstellen im Straßenraum
  • Vollständige und differenzierte Erfassung arbeitsbezogener Verkehrsunfälle
  • Nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Transportwesen
  • Systematische Reduktion der Risiken bei Einsatzfahrten
  • Konsequente Überwachung der Vorschriften zur Ladungssicherung
  • Einhaltung und Weiterentwicklung der Gefahrgutvorschriften
  • Strenge Kontrolle und Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten
  • Ausbau sicherer, beleuchteter und überwachter Lkw-Parkplätze
  • Verbindliche Einführung von Gesundheitsförderprogrammen für Berufskraftfahrende
  • Hochautomatisiertes Fahren nur unter klar definierten Sicherheitsbedingungen
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung. 

Quelle: Pressemitteilung DEKRA

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